Kurz: In den 2010ern und 2020ern werden 97 % der Parlamentsvorlagen angenommen. Reine Volksinitiativen schaffen es zu 31 %. Dazwischen steht der Gegenvorschlag – zu 70 % erfolgreich.
Was passiert, wenn die Stadt Zürich über ihre eigenen Angelegenheiten abstimmt? Nicht über Bundesvorlagen, nicht über kantonale Gesetze – sondern über Kredite, Reglemente und Initiativen der Stadt selbst.
Seit den 1970ern hat sich das Verhältnis zwischen diesen drei Kanälen verschoben.1
Parlamentsvorlagen werden immer seltener abgelehnt: von 80 % Annahme in den 1970ern auf 97 % in den 2010ern und 2020ern. Die wenigen Ablehnungen betreffen Grossprojekte (Stadion, Kongresszentrum) oder politisch aufgeladene Themen (Tagesschule, GR-Entschädigungen).1
Reine Volksinitiativen scheitern in der Mehrzahl. In den 2000ern wurde keine einzige angenommen (0 von 7). Seither steigt die Quote wieder – auf 45 % in den 2020ern.
Dazwischen liegt der Gegenvorschlag. Das Parlament nimmt eine Initiative auf, formuliert einen eigenen Entwurf – und dieser wird zu rund 70 % angenommen. Das Instrument ist relativ neu in dieser Intensität: In den 1990ern gab es keinen einzigen Gegenvorschlag. Seit den 2010ern sind es 13 pro Dekade. Themen: Wohnen, Velo, Grünflächen, Löhne. Der Gegenvorschlag ist das Werkzeug, mit dem das Parlament Volksinitiativen auffängt und in seine eigene Sprache übersetzt.
Open Data Stadt Zürich – Abstimmungsresultate seit 1933. Eigene Auswertung: 375 kommunale Vorlagen der Stadt Zürich seit 1990 (Gesamtstadt-Resultate). Klassifikation: “Volksinitiative” oder “Initiative” im Titel = Volksinitiative, “Gegenvorschlag” im Titel = Gegenvorschlag, “Stichfrage” = separat gezählt (3 Fälle), Rest = GR-Vorlage. ↩︎ ↩︎